5 Fragen an Isa Triesch

Die Startup-Szene in Frankfurt hat einiges zu bieten neben innovativen Startups, kreativen Coworking Spaces, auch Acceleratoren und mehr. Damit ihr einen kleinen Einblick bekommt, was es alles gibt, stellen wir euch immer wieder coole Persönlichkeiten aus der Szene vor. Dieses Mal haben wir Isa Triesch zu Gast, die für Apfelbaum Consultants Unternehmen in Sachen Team- und Organisationsentwicklung berät.

DAS INTERVIEW/

 

Hallo Isa, schön, dass Du die Zeit gefunden hast, für uns einmal Rede und Antwort zu stehen. Zuallererst stell Dich einfach kurz vor, wer bist Du und was machst Du?

Mein Name ist Isa Triesch und ich berate zusammen mit Stefan Apfelbaum, Unternehmen bei Fragen rund um Team- und Organisationsentwicklung. Neben aktuellen Anforderungen kommen auch immer wieder tarifgebundene Unternehmen aus der Metall- und Elektroindustrie auf uns zu. Sie stehen häufig vor einem Dilemma: Einerseits wird der Wettbewerb immer dynamischer und zwingen die Unternehmen zu immer schnelleren Entwicklungen und zu einer höheren Flexibilität in den unternehmerischen Entscheidungen. Auch die Mitarbeiterentwicklung muss diesem Tempo angepasst werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig fordern die Mitarbeiter eine gewisse Stabilität und Planbarkeit für sich und ihren Arbeitsplatz, wie sie es aus der Vergangenheit gewohnt sind. Gerade tariflich gebundenen Unternehmen, wie zum Beispiel der Metall- und Elektroindustrie mit dem Entgeltrahmenabkommen, stehen hier vor einer großen Herausforderung.

 

Entgeltrahmenabkommen – was ist das denn überhaupt? Was beinhaltet das ganze?

Das Entgeltrahmenabkommen ist der Tarifvertrag der Gewerkschaften und Arbeitgeber aus dem Bereich der Metall- und Elektroindustrie. Als er vor über 15 Jahren eingeführt wurde, war das eine echte Reform, und auch eine absolut gute und notwendige.  Ziel des neuen Entgeltrahmenabkommens ist es, die historisch gewachsene Trennung zwischen Lohn- und Gehaltsempfängern in der Metall- und Elektroindustrie abzuschaffen. Mit ERA sollte ein gemeinsames Entgelt für alle Beschäftigten geschaffen werden.

ERA bringt 3 wesentliche Neuerungen:

  • Einheitliche tarifliche Regelungen zur Entgeltfindung für ALLE tariflich Beschäftigten – Arbeiter und Angestellte.
  • Neue, einheitliche Kriterien zur Bewertung von Arbeitstätigkeiten, Anforderungen und Kompetenzen für ALLE tariflich Beschäftigten.
  • Entscheidend für das Entgelt ist die Bewertung der Arbeitsaufgabe, die eine Position ausmacht – nicht die Ausbildung der Person, die sie ausführt.

 

Zahlung nach Tarif und Mitarbeitermotivation, das klingt ja nicht so kompatibel? Ist das überhaupt noch attraktiv heutzutage? Gibt es da denn besondere Anreize?

Tatsächlich trifft die Frage den wunden Punkt vieler Unternehmen heutzutage – und geht gleichzeitig am Kern der Sache vorbei. Für viele Unternehmen ist Mitarbeitermotivation noch sehr stark verknüpft mit monetären Anreizen, wie zusätzlichen Lohn durch Überstunden oder Bonus-Zahlungen, wenn Ziele erreicht wurden. Diese Prinzipien funktionieren in einer Welt, wo genaue Planung und Abarbeiten möglich sind. Für die meisten Unternehmen gilt das aber heute nicht mehr, bzw. wird zunehmend schwieriger. Die Dynamik der Märkte fordert viel kurzfristigere Entscheidungen und Anpassungen. Das schlägt sich auch bei der Mitarbeiterführung, Mitarbeiterentwicklung und dementsprechend in der Entlohnung wider. Viele Unternehmen stellen sich die Frage, ob und wie das Entgeltrahmenabkommen der Metall- und Elektroindustrie überhaupt noch in die Zeit der Arbeitswelt 4.0 und Industrie 4.0 passt und wie die bestehenden ERA-Profile und -Strukturen verändert und angepasst werden können. Wenn wir das Wort ‚Tarifvertrag‘ hören, klingt das oft starr und unflexibel. Das wird gerade dem Entgeltrahmenabkommen der Metall- und Elektroindustrie jedoch nicht gerecht, im Gegenteil. Richtig aufbereitet und an die organisatorischen Strukturen eines Unternehmens angepasst, bietet es eine hohe Transparenz und Flexibilität, von der alle profitieren: Mitarbeiter, Führungskräfte und damit die gesamte Organisation.

 

Für wen ist das Thema relevant? Wo findet man Informationen? Und was bringt es Unternehmen, wenn Sie auf Tarife für Mitarbeiter setzen und euch für die Beratung hinzuziehen?

Viele Unternehmen haben ERA nach der Reform vor mittlerweile über 15 Jahren eingeführt, Profile für Mitarbeiter und Positionen entworfen und das Thema anschließend mehr oder weniger vernachlässigt oder gar nicht mehr angerührt. Was damals völlig passend war und die Organisation korrekt abgebildet hat, ist in den meisten Unternehmen jetzt völlig veraltet. Aus unserer Erfahrung durch eine Reihe von Projekten wissen wir, dass der Umgang mit den ERA-Profilen mittlerweile eine hohe Intransparenz schafft, was zu Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern führt, häufig unnötig Ressourcen wie Zeit und Personal bindet, und vor allem das rechtliche Risiko bezüglich der richtigen Bezahlung der Mitarbeiter erhöht. Hier können einige juristische Tretminen lauern, die beseitigt werden sollten. Gleichzeitig lassen sich die Unternehmen das große Potenzial entgehen, das ERA bietet: ERA-Profile und Strukturen als Instrument der Mitarbeiterführung und -entwicklung für das Unternehmen gewinnbringend einzusetzen.

Auf der Website www.era-entgeltrahmenabkommen.info haben wir unsere Erfahrungen zu ERA als Instrument der Mitarbeiterführung und -entwicklung zusammengefasst. Hier finden sich zum Beispiel hilfreiche Informationen zu der Gestaltung eines transparenten, mit den Tarifparteien abgestimmten ERA-Prozesses. Oder zu Fragen, wie die Einführung, neuer ERA-Profile und Strukturen als Instrument der Mitarbeiterführung und -entwicklung eingesetzt werden kann.

 

Ihr seid ja auch oft hier bei uns bei MEET/N/WORK? Was gefällt Euch hier besonders in Frankfurt? 

Die zentrale Lage, also einmal von Frankfurt, aber auch von MEET/N/WORK selbst, sowie die attraktiven und funktionale Meeting-Räume! Wir sitzen mit unserer Beratung in Köln, aber wir beraten Kunden aus ganz Deutschland. Da ist es für unsere Kunden sehr angenehm und ein Teil unserer Leistung, wenn wir uns auf halber Strecke treffen können. MEET/N/WORK in Frankfurt ist da mit seiner zentralen Lage einfach unschlagbar gut erreichbar! Und die top ausgestatteten Räume sind repräsentativ und bieten gleichzeitig eine angenehme Arbeitsatmosphäre.

Vielen Dank für das Interview mit Dir und den Einblick zum Thema Tarifverträge und ERA! 

 

mm
Redaktion
Die MEET/N/WORK Redaktion ist stets auf der Suche nach aktuellen Trends in der Coworking Szene, nach interessanten Events und Veranstaltungen, den besten Lokalen in der Umgebung und nach allem, was die Community vernetzt und ihr einen Mehrwert bringt.