“Brainstorming-Booster” – Teil 2: Der Google Design Sprint

Wer hat nicht schon davon gehört, von diesem Google Design Sprint. Denn das ist schließlich momentan die Methode, über die alle reden und die man versuchen sollte. Das Buch gilt als must-read und da lohnt sich ein genauer Blick. Wenn ihr euch also auch mit Design Thinking und anderen Brainstorming-Techniken beschäftigt und vor einem Problem steht, ist es vielleicht einmal an der Zeit, sich das Buch zur Hand zu nehmen oder zumindest einmal genauer über diese Methode nachzudenken und sie in Betracht zu ziehen. Was es mit dem Design Sprint von Google Ventures auf sich hat, wie das Ganze funktioniert und weshalb es eine gute Technik für kreative Prozesse ist, verraten wir euch jetzt.

Was ist ein Design Sprint?

Der Google Design Sprint ist eine Methode des Brainstormings (andere Techniken findet ihr in unserem Beitrag hier zum Nachlesen), um in kürzester Zeit (in genau einer Woche) messbare Ergebnisse zu erhalten und dabei euch die Möglichkeit für individuelles Brainstorming und Sketching zu geben. Brainstorming in Gruppen ist zwar eine gute Methode, um Ideen zu sammeln und möglichst viele Aspekte zu einem bestimmten Themen zu erhalten, erfordert aber eine Gruppe aus extrovertierten Teilnehmern. Introvertierte Menschen arbeiten für sich und entwickeln oft schon gut strukturierte Pläne und durchdachte Ideen. Wenn ihr auch eher zu den introvertierten Menschen gehören solltet, ist diese Methode für euch gut geeignet, denn jeder bekommt Raum seine eigenen Ideen erst einmal für sich zu erarbeiten und später dann in der Runde und im Team zu besprechen. Aber mehr dazu gleich. Jake Knapp, der bei Google Ventures schon mit zahlreichen Startups zusammen gearbeitet und nun dieses Buch herausgebracht hat, kombiniert die Gruppendynamik und das kollektive Brainstorming mit der individuellen Methode des Sketching. Innerhalb von 5 Tagen könnt ihr mit dem Google Design Sprint ein Produkt entwickeln oder ein Problem lösen.

Wie funktioniert der 5-Tage-Design-Sprint?

Der Prozess, der innerhalb von fünf Tagen ablaufen soll, hat das Ziel, am Ende ein Produkt oder die Weiterentwicklung eines Produktes in kürzester Zeit zu erhalten. Das erfolgt durch Team- und User-Input und wird durch eine kleine Struktur erreicht, die sich eben in fünf Schritte und dadurch in fünf Tage unterteilen lässt. Einige Prinzipien sollten dem Design allerdings zugrunde liegen, damit ihr intensiv arbeiten könnt. Dazu zählt eine feste Struktur: eine Woche, jeden Tag von 10 bis 17 Uhr, mit kleinen Pausen und Timeboxing aller Aktivitäten, um den Kopf frisch zu halten. Außerdem sollten Handys, Mails und andere Termine tabu sein. Am besten sind solche Devices gar nicht erst im Raum zugelassen. Ein fest gebuchter Raum für dieses kreative Brainstorming für den Zeitrum ist ebenfalls unerlässlich. Ihr solltet einen Entscheider festlegen, der sich im Notfall auch über das Team-Voting der Ergebnisse hinwegsetzen kann. So können mittelmäßige Kompromisse vermieden werden. Wenn ihr diese Prinzipien beherzigt, steht einem kreativen Prozess (fast) nichts mehr im Wege:

Tag 1: Zielsetzung klar festhalten

Der erste Tag ist klar der Zielfindung gewidmet. Es geht darum, dass innerhalb eures Teams jedem das Problem bzw. die Aufgabenstellung klar ist. Die Herausforderung muss gemeinsam erfasst werden und jeder muss den gleichen Hintergrund an Wissen haben. Dafür wird das Geschäftsmodell eures Unternehmens dargelegt, Entwicklungen aus der Vergangenheit, egal ob positive oder negative Neuerungen, zur Sprache gebracht und somit die Zielsetzung mit allen Aspekten genau definiert.

 

Tag 2: Verschiedene Lösungsansätze finden

Am zweiten Tag geht es um verschiedenste Lösungsansätze. Dafür werden spannende Lösungen aus eurem Unternehmen und auch aus vergleichbaren anderen Unternehmen analysiert, um daraus neue Erkenntnisse für die weitere Vorgehensweise zu bekommen. Ihr solltet erst einmal möglichst viele verschiedene Lösungen für das am ersten Tag benannte Problem finden. Jeder kann hier seine eigenen Ergebnisse zu Papier bringen, denn die zweite Hälfte des Tages ist dem individuellen Sketching vorbehalten. So kann sich wirklich jeder intensiv mit seinen eigenen Ideen beschäftigen, diese konkret skizzieren und muss diese nicht gleich schon der Gruppe präsentieren, ganz unabhängig ob Designer oder CEO. Denn jeder sollte hier in euer Team mit einbezogen werden, der mit dem Problem oder dem Produkt zu tun hat.

 

Tag 3: Beste Ideen auswählen

Nachdem ihr euch am Vortag mit Lösungen beschäftigt habt, geht es dann am Mittwoch daran, Entscheidungen zu treffen. Die besten Ideen werden dabei ermittelt, das können auch zwei oder drei sein, die ihr auswählt. Am besten eignen sich für den Auswahlprozess Sticker, die jeder nach eigenem Ermessen für die besten Ideen und Lösungen verteilen kann. So kristallisieren sich schnell die besten Ergebnisse heraus. Hier hat der Entscheider letztendlich die Gewalt, denn falls ihr euch im Team nicht einig werdet, trifft er die Entscheidung über das weitere Vorgehen. Im nächsten Schritt erstellt ihr, wenn möglich, eine Gesamtlösung, also kombiniert mehrere Ansätze miteinander. Wenn das nicht funktionieren sollte, könnt ihr aber auch zwei Ansätze parallel weiterverfolgen.

 

Tag 4: Prototypen entwickeln

Der vierte Tag macht eure Arbeit konkret. Auch wenn die Lösungsentscheidung gefallen ist, so habt ihr erst 60 % der Arbeit geschafft. An diesem Tag erstellt ihr einen Prototypen (oder eben zwei, ja nach Lösungsansätzen). Eine klare Aufgaben- und Rollenverteilung hilft dabei, um effektiv zu bleiben. Der Prototyp, den ihr entwickelt, sollte zum Teil funktionieren und sich für Benutzer echt anfühlen, damit das Feedback auch entsprechend realistisch und hilfreich ist. Am besten ihr versucht die Mitte zwischen provisorischem Arrangement und realistischer Fassade zu treffen. Je nachdem wie komplex euer Produkt ist, reicht es auch aus, eine authentische Produktbroschüre über alle Features zu entwickeln. Weitere Tools und Tricks stellen die Autoren des Buches zur Verfügung, um einen glaubhaften Prototypen bauen zu können.

 

Tag 5: Prototypen-Test durchführen

Der letzte Tag ist die Prüfung. Der von euch entwickelte Prototyp wird getestet. Einen solchen Test solltet ihr mit potentiellen Benutzern, die eurer Zielgruppe stark ähneln, durchführen, die nicht zu eurem Unternehmen gehören. Am besten eignet sich eine Anzahl von fünf Testern, das haben Untersuchungen der Nielsen Norman Group gezeigt, denn fünf Tester zeigen rund 80 % der Probleme und Muster auf. Außerdem solltet ihr auf eine klassische 1:1 Interviewkonstellation mit den Testern setzen, so bekommt ihr gute Ergebnisse und könnt außerdem das Interview aufzeichnen, um das Feedback so später auch parat zu haben.

Nach fünf intensiven Tagen mit eurem Team und der Lösungsentwicklung bzw. Erstellung eines neuen Produktes, zeigt das Feedback vom fünften Tag, wie ihr nun weiter verfahren könnt. Bei positivem Feedback könnt ihr natürlich in die weitere Umsetzung gehen, bei eher negativem Feedback könnt ihr gegebenenfalls Anpassungen vornehmen und habt in jedem Fall große Learnings bekommen. Es macht Sinn, daran einen weiteren Sprint anzuschließen, um auf dem Feedback des ernsten direkt aufbauen zu können.

Weshalb solltet ihr die Methode nutzen?

Der große Vorteil des Google Design Sprints ist sicherlich, dass ihr in kurzer Zeit konzentrierte Ergebnisse bekommt. Die komplette Produktentwicklung läuft komprimiert ab und das Resultat zeigt auf, ob sich die Umsetzung für euch und euer Unternehmen wirklich lohnt oder ob die Ideen eher eine andere Richtung einschlagen müssen. Unter Zeitdruck, in Teamarbeit und mit User-Feedback könnt ihr schnell Ideen und konkrete Lösungen entwickeln. Die Methode eignet sich gerade für kleine Teams, die vor einer Herausforderung stehen und schnell messbare Resultate erzielen wollen. Bedenken müsst ihr dabei allerdings, dass ein solcher Design Sprint vorab auch ein wenig Zeit beansprucht, um die Durchführung zu planen und natürlich auch im Nachhinein, um eventuell weitere nötige Sprints anschließen zu können. Viel schwieriger wird aber sein, dass jeder eures Teams mit Sicherheit einen gut gefüllten Terminkalender hat und erst einmal eine Woche „frei geschaufelt“ werden muss. Wenn ihr diese Hindernisse aber überwinden könnt, ist der Google Design Sprint eine sehr gute und produktive Methode, um kreative Lösungen schnell finden und umsetzen zu können.

 

Für weitere Infos zur Methode, könnt ihr euch das Buch holen oder das Ganze einmal von Jake Knapp und John Zeratsky im Videoformat erklären lassen:

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